Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist...

oder:

warum kann ich nicht einfach an's Universum glauben?

Wie sieht wohl die Unendlichkeit aus? Ich bin ein sehr visueller Mensch und möchte mir immer alles bildlich vorstellen können. Ganz ehrlich, mir persönlich verursacht schon der Versuch einer Vorstellung der Unendlichkeit des Universums Überhitzungsgefahr im Gehirn. 

 

Eher bekomme ich das leicht irre Gefühl, die Erdanziehung ließe abrupt nach und ich würde völlig losgelöst wie Major Tom in's Weltall hineingesogen. Es ist einfach nicht begreifbar für mich. Wie kann ich mir ein allumfassendes unendliches Nichts bildlich vorstellen? 

 

Meine Herangehensweise lässt mich da schon mal in Überforderung enden, besonders wenn ich mich im Kreise von sehr spirituellen Menschen befinde. Wohlgemerkt, ein Bild zum unendlichen Universum schaffen konnte mir allerdings auch noch niemand. Es gibt eines, aber das hat einen Rand, ist also eben nicht unendlich, aber dazu weiter unten.

 

Ich kann mich gut erinnern, wie laut und herzlich ich lachte, als mir das erste Mal eine Bekannte von einem beim Universum bestellten Parkplatz erzählte. Ich fand die Idee sehr praktisch, aber auch sehr absurd. Und ganz ehrlich, ich muss gerade wieder lachen, wenn ich mich an meine Fassungslosigkeit damals erinnere.

 

(Sternenhaufen / Rosettennebel)

By the way, ich habe es später mit der Bestellung aus purer Verzweiflung über den permanenten Parkplatzmangel im Berliner Simon-Dach-Kiez ebenfalls versucht und sicher übertrieben, oder ich erwischte vielleicht auch immer wieder den schlechtgelauntesten Kellner des Universums. Jedenfalls änderte sich an der Parkplatz-Situation in meinem Leben nichts, weder als ich mir einen Smart kaufte, noch als ich in einen anderen Kiez zog. Die änderte sich erst, als ich kein Auto mehr hatte, was ich irgendwo halbwegs ordnungsgemäß abstellen musste.

Was hat das nun mit Achtsamkeit zu tun?

Für mich hat das sehr viel mit Achtsamkeit zu tun. Denn ich habe Achtsamkeit oder auch mindfulness (auf englisch) für mich als ein ganz praktisches, recht handfestes Alltags-Tool erkannt. 

Und es ist mir ein großes Anliegen, sie aus der Esoterik-Ecke zu holen, wohin sie von vielen Menschen mit Berührungsängsten, wie von mir früher auch, abgeschoben wird. 

Wenn ich nun noch den glitzernden Spiri-Staub abwische, habe ich ein ziemlich perfektes Instrument, um mit meinem Alltag und meinem Leben sehr viel besser klarzukommen. Lange schon wollte ich endlich in einem Satz zusammenfassen können, was Achtsamkeit überhaupt ist. 

Denn es ist mir ein unglaubliches inneres Anliegen, einen knackigen Satz aus meiner Erfahrung zu machen, um das so häufig genannte Wort Achtsamkeit besser erklären zu können. Und dennoch kam ich immer wieder in's Schleudern, wenn ich jemandem greifbar kurz erklären wollte und sollte, was Achtsamkeit ist, und was sie ausmacht. Zumindest, was sie für mich ausmacht. Da nannte ich die ganzen Sätze, die andere schlaue Menschen mal formuliert hatten, viel "hier und jetzt", "Moment" und "Atem". Oft merkte ich, dass die Zuhörer mitten in meiner Beschreibung ausstiegen, und sich mit der Konzentration und den Gedanken auf die Reise machten, schnell weg aus dem hier und jetzt.


Irgendjemand sagte mal: "Geschwurbel!" und traf mich tief, im hier und jetzt und mitten in's Herz.

Ich beschloss also, endlich meine Definition zu finden.

Denn ich denke, für jeden Menschen ist Achtsamkeit auch noch etwas Anderes als nur im hier und jetzt zu verweilen. Jeder Mensch hat einen anderen Grund, sich mit einer achtsamen persönlichen Haltung zu beschäftigen, und der will irgendwann klar Position beziehen. Es gibt so viele Definitionen von Achtsamkeit wie Menschen, die von ihr sprechen und sie bestenfalls auch praktisch leben.

Ich versuchte immer wieder, Achtsamkeit für mich logisch greifbar zu machen. Dachte darüber nach, meditierte, dachte wieder. Natürlich auch, um es endlich besser erklären zu können. Zum Beispiel einem Sachbearbeiter in einer Behörde, der mich nach meinem Beruf fragt. Das kommt in letzter Zeit ziemlich häufig vor. Auf meine Antwort "Achtsamkeits-Trainerin" habe ich schon die unterschiedlichsten Reaktionen erfahren.

Meistens kommt etwas wie "achso, imma lächeln und jut druff sein, denn wird det schon, wa?" oder eben "Geschwurbel".

Und was ist jetzt Achtsamkeit?

Achtsamkeit bedeutet für mich im Grundsatz, dass ich mir der Verantwortung für mein Denken und Handeln bewusst bin. Mir bewusst bin, dass ich in jeder Sekunde, jedem Moment meines Lebens permanent Entscheidungen treffen muss. Diese Entscheidungen wirken sich unmittelbar auf die nächste Zukunft, den nächsten Moment aus. Wenn ich die Entscheidung bewusst treffe, habe ich eine Zukunft, für die ich die Verantwortung bewusst übernehme.

Das Gute daran ist, dass das rein impulsgesteuerte Verhalten immer seltener wird. Weil ich es schaffe, zwischen den Reiz und den vom Reiz ausgelösten Impuls eine kurze, aber entscheidende Pause einzuschieben.

Dann klingelt die Achtsamkeitsglocke unüberhörbar, und ich halte tatsächlich kurz inne. Für die Außenwelt gar nicht bemerkbar, denke ich. 


Jetzt grad, eben in diesem Moment, blitzt er auf, der Impuls, mein Handy zu nehmen und zu schauen, was es Neues bei Facebook gibt. Und ich bemerke, dass mein Fuß nervös hin und her wippt, und zwar ziemlich schnell. Was is' da los? Okay, nervöses Zucken, weil ich ein bisschen Stress spüre, den Artikel fertig schreiben möchte und heute noch den Newsletter rausschicken will. Also stelle ich den Fuß jetzt wieder fest auf dem Boden, ich spüre noch mal ein, zwei Sekunden in die Fußsohle und nehme deren Kontakt mit dem Boden wahr. Ich einige mich mit mir, dass Facebook jetzt nicht so wichtig ist wie mein Text. Und schon bin ich wieder in meiner Konzentration.

Das ist jetzt ein kleines Beispiel, lässt sich aber bei vielem beobachten. Die Voraussetzung dafür ist, dass ich es immer wieder schaffe, die eigene Situation überhaupt aktiv wahrzunehmen und bewusst von außen anzuschauen, also aus der Beobachterperspektive. 

Dazu gibt es eine Übung:


Dazu gibt es eine sehr verbildlichende Übung - wie sollte es auch anders sein!

Wenn Du das also nächste Mal das Gefühl hast, Du verlierst den Fokus, Dir kommen unendlich viele Gedanken in den Sinn - dann schreib' sie auf, und zwar ohne Punkt und Komma, und ohne den Stift abzusetzen!

Eine halbe Minute reicht vielleicht schon, um ein Blatt zu füllen. Es geht auch nicht darum, viel aufzuschreiben. Wichtig ist eben nur, den Stift nicht vom Papier zu heben und den Gedankenfluss genau so auf's Papier zu übertragen.

Im Anschluss kannst Du ein, zwei Minuten Deinen Atem beobachten, einfach beobachten, wie er ein- und ausströmt aus Deinem Körper. Und dann nimm' Dir Dein Blatt mit dem Gedankenstrom, lies Dir durch, was Dir vor zwei Minuten alles durch den Kopf ging und versuche zu beobachten, was in Dir vorgeht beim Lesen.

 

Wenn Du magst, kannst Du Deine Erfahrung gerne in den Kommentaren teilen.

Schon mal lieben Dank dafür!

Ansonsten wünsche ich Dir einen reinfall-freien Start in den April,

 

bleib' mindful und bis nächsten Freitag

viele liebe Grüße aus Berlin

 


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